Nachtplausch
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Nachtplausch vom 24. November

Es war das perfekte Wetter für mich. Knappe 4 Grad, leichte Bise aus Nordost und erfrischen-der Nieselregen. Was meine Meisterin da zu knurren hatte, als sie sich in unzählige Schichten Jacken, Handschuhe und Mützen einmummte, war mir wirklich schleierhaft.

Beim Treffpunkt  entdeckte ich zwölf vierbeinige Kollegen, denen es gleich zu gehen schien wie mir. Wir waren voller Vorfreude, und am liebsten hätten wir gleich eine Runde miteinander auf der grossen Wiese gedreht.

Tja, unsere Meister hatten etwas anderes mit uns vor. Sechs spannende Posten lagen vor uns. Es fing schon gleich mit einer Herausforderung an. Ich sollte in einer grossen Schubkarre von meiner Chefin gestossen werden. So ganz überzeugt war ich ja nicht. Das ist einfach eine wacklige Angelegenheit. Aber was macht man nicht alles für seinen Menschen. Ich verstand ja Bandit, einen bald 14-jährigen, in Ehren leicht ergrauten Labi. Der fand das Ganze supertoll. Hätten seine Menschen ihn nur richtig verstanden, er hätte sich gerne über die gesamte Laufstrecke schieben lassen. Aber ich war doch froh, als ich mit meinen jungen Beinen wieder sicheren Boden unter den Füssen hatte. 

Das menschliche Wesen ist schon unergründlich. Neben meiner Meisterin zu warten, bis sie Bälle in einen Eimer geworfen hatte, war eigentlich nicht der Rede wert. Aber um Himmels willen, als diese seltsamen Geschosse zu Boden gingen, lachte, kreischte und weinte es. Ich war wie vom Donner gerührt. Was bitte sollte das schon wieder? Ich stellte meine Ohren auf Lausch-Stellung, konnte kaum fassen, was das sollte. Hinter mir grinste es menschlich gemein. Mein Kopf  sähe mit den aufgestellten Ohren im fahlen Lampenlicht aus wie eine etwas übergewichtige Fledermaus im Flug. Aber diese seltsamen Bälle waren  wirklich zu mysteriös, ich  kam aus dem Staunen nicht heraus. Kreischend umherfliegende Köpfe, wo hat man das schon gesehen?  Die Menschen nennen sie Lachsäcke.

Beim nächsten Posten fühlte ich mich wie meine anderen Retriever-Kollegen im siebten Himmel. Ich durfte Bälle apportieren, ganz normale, verlässliche Tennisbälle, die keinen Laut von sich gaben. Ach war das toll! Je mehr ich meiner Meisterin davon brachte, desto fröhlicher wurde sie. Und ich erst, ich war voll im Element. Was kann einen Retriever auch glücklicher machen, als seinem geliebten Menschen alles Mögliche anzuschleppen. Gut, manchmal auch nicht. Als ich meiner Meisterin neulich voller Stolz ein toll riechendes, bereits mit fantastischen Maden versehenes totes Eichhörnchen brachte, hätte ich schon etwas mehr Freude von ihr erwartet. Nun ja, manchmal verstehen die Menschen uns einfach nicht so ganz. Aber was soll’s, ich wollte ja vom Nachtplausch erzählen.

Weiter ging’s zur nächsten Herausforderung. Meine Chefin hatte einen Golfball auf einem Löffel zu transportieren. Sie zeigte mir dieses tolle kleine „Balli“, machte mich richtig wild darauf. Ich wollte dieses Ding unbedingt, folgte ihr dicht auf den Fersen durch den Slalom. Ich war wie verzaubert von diesem faszinierenden, weissen Golfball, und meine Meisterin  machte mich auch noch ständig darauf aufmerksam. Irgendetwas war doch faul an der Sache. Zu spät merkte ich es: an den Slalomstangen waren Cervelatstücke aufgehängt, die ich im Eifer gar nicht bemerkt hatte. Aber wenigstens gab’s zur Belohnung eine ordentliche Portion Käse, den mag ich eigentlich noch lieber.

Jetzt war nur noch stoische Ruhe angesagt. Während ich vor einem Hundenapf lag, schwitzte meine Chefin, mit zwei Essstäbchen „bewaffnet“, während sie versuchte ein Hundegutzi zu packen und mir in den Napf zu bringen. Während sie so mehr oder weniger verzweifelt hin und her lief, lachte ich mir heimlich ins Fäustchen. Jetzt konnte sie mal zeigen, was sie so draufhatte.

Ehrlicherweise muss ich sagen, langsam wurde ich doch etwas müde. So war ich ganz zufrieden, als mich mein Frauchen ins Auto zurückbrachte. Jetzt konnte ich mich in aller Ruhe hinlegen und mir nochmals die Sache mit den schreienden Bällen durch den Kopf gehen lassen. Ich komme da einfach nicht drüber weg…

Meine Chefin hatte aber noch keinen Feierabend. Habt Ihr schon mal „Hundoku“ gespielt? Für meine Meisterin war’s auch das erste Mal, aber sie war völlig begeistert davon. Das Ganze erinnert stark an Sudoku, aber es wird mit Hundebildern gespielt. Ganz schön knifflige Angelegenheit und so hatte sie zum ultimativen Schluss nochmals alles zu geben, derweilen ich bereits von kreischenden …. (ihr wisst schon) träumte. 

Endlich hatten auch die Zweibeiner Feierabend und sie durften ihr wohlverdientes Fondue bei einem gemütlichen Schwatz geniessen.

Mir hat’s ganz toll gefallen, meine Meisterin sagte auch, sie käme gerne mal wieder. Sie meint zwar, sie werde dann vorher mit Petrus ein ernstes Wort sprechen. Das verstehe ich jetzt aber wieder überhaupt nicht… 

 

Tschüss, bis zum nächsten Mal.

Caramel Chester Windwhirl